Staatsanwaltschaft lässt Mann aus Marokko ohne Beweise als Bootslenker verhaften
Matthias Monroy – 10.02.2026, 14:21 Uhr, nd

Neue Zeugenaussagen von Überlebenden des tödlichen Unglücks vor Chios stellen die Darstellung der Ereignisse durch die griechische Küstenwache in Frage. Vor dem Untersuchungsrichter beschreiben Insassen des gesunkenen Flüchtlingsbootes übereinstimmend eine plötzliche, durch das Patrouillenboot verursachte Kollision – ohne Vorwarnung. Dessen Besatzung hatte zunächst behauptet, das aus Richtung der Türkei kommende Boot sei »mit Licht- und Tonsignalen« zum Stoppen aufgefordert worden, habe dann aber den Kurs geändert und seinerseits das Küstenwachschiff gerammt.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters gaben drei Überlebende an, ihr motorisiertes Schlauchboot habe seinen Kurs nicht geändert und keine Warnung erhalten.
»Wenn sie uns verfolgt hätten, hätten wir angehalten. Wir waren auf einem Schlauchboot mit Kindern. Wir fuhren einfach geradeaus«, sagte einer der Insassen zu Reuters. Die Überlebenden berichten demnach übereinstimmend, sie hätten nur gesehen, wie kurz vor dem Aufprall ein helles Licht eingeschaltet worden sei. Ein weiterer Überlebender gab an, nach dem Aufprall umgeben von verletzten Menschen und Blut wieder zu Bewusstsein gekommen zu sein.“
Bei dem Unglück am 3. Februar vor der Ägäis-Insel Chios kamen 15 Menschen ums Leben, zwei schwangere Frauen verloren außerdem ihre Babys. 24 Erwachsene und Minderjährige wurden teils schwer verletzt. Die Opfer waren afghanischer Herkunft.
Migrationsminister Thanos Plevris lobte vergangene Woche die Küstenwache für die Rettungsmaßnahmen und machte Menschenschmuggler für die Todesfälle verantwortlich. Mit diesem Vorwurf befindet sich ein marokkanischer Mann weiter in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den Außenbordmotor des Bootes gesteuert und damit den Unfall verursacht zu haben. Der Mann erklärt indes, seine Eltern hätten einem türkischsprachigen Mann 3000 Euro für seine Überfahrt gezahlt.








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