Neues aus der rückeroberten und selbstverwalteten Fabrik der VIO.ME in Thessaloniki

Seit 11 Jahren leisten die KollegInnen der VIO.ME einen erfolgreichen Widerstand gegen den Verlust ihrer Arbeitsplätze und die Verschrottung ihrer Fabrik. Weder die Zwangsversteigerungen noch die sonstigen staatlichen Behinderungen konnten die KollegInnen zum Aufgeben bewegen. Sie sind immer noch da und vertreiben weiter ihre Produkte.

„Der kleine Transporter der SE.VIO.ME startet wieder seine monatliche Tour“ Lautsprecher: „Kauft hier die besten Seifen“
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Mikis fehlt – Grußworte zweier Weggefährten von Theodorakis zur Gedenkveranstaltung am 9.9.2022 in Köln-Nippes

Günter Wallraff

Ich lernte griechische Arbeiter – Gastarbeiter, wie sie damals genannt wurden – in meiner Zeit in deutschen Fabriken kennen und schätzen, wie auch ihr Idol: Mikis Theodorakis, der ihnen Hoffnung gab mit seinen Liedern und Texten, der ihr Temperament und ihre Musikalität gegen die Militärjunta richtete, vor der sie geflohen waren, und an die Freiheit band, der sie sich und der er sich verpflichtet fühlte. Auch nach dem Ende dieser Diktatur, die zwar mehr, aber nicht die ganze Freiheit brachte, von der Theodorakis bis zu seinem Lebensende träumte und arbeitete. 2017 traf ich ihn in Athen und kurze Zeit später noch einmal anlässlich eines wundervollen Konzerts in Düsseldorf. Er war im besten Sinne ein einzigartiger Volksdichter, Sänger und Komponist in einer Person – ein Freund, ein unvergesslicher und unvergessener Weltbürger.

Als Delegierter des „Ausschusses Griechenland-Solidarität“ kettete sich Günter Wallraff am 10. Mai 1974 an einen Lichtmast auf dem Syntagma-Platz in Athen und verteilte Flugblätter, die das Terrorregime der griechischen Militärdiktatur kritisierten. Die Militärpolizei nahm ihn fest, er wurde gefoltert und zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt. Freigelassen wurde er einige Monate später, nach dem Sturz der Militärjunta. In Griechenland wird er dafür bis heute verehrt.

Ausführlicher Bericht (DW)

Wassilis Aswestopoulos

Mikis fehlt

Vor einem Jahr kreisten angesichts von Mikis Tod Gedanken im Kopf:
Heute ist das Lied, das mein Vater mir als Kind vorgesungen hat… „Chelidoni“ gestorben, es war das erste Lied, das ich versucht habe zu singen. Heute ist eines der ersten Konzerte gestorben, die ich je gesehen habe – „Lianotragouda“, „Romiosyni“. Die Intonation der Niederlage „milo“ und der Sieg der Menschen „Tha simanoun oi kampanes“ starben.
Es ist eine Art Tod für die Liebesmelodie „Phaidra“, für die Hymne der Armen „Savvatovrada“, die Trauer „pou petaxe to agori mou“, das Lied der Lieder – mit den Texten von Pablo Neruda (Canto General ) aus Amerika in eine kleine Wohnung in Aachen.
Das Unmögliche, das vertonte Martyrium von Mauthausen mit einer Ode an die Liebe und Makronyssos (Vraxo Vraxo). Das Zembekiko, das ich sterbend „sta pervolia“ tanzen möchte.

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Eindrücke von der Veranstaltung „Mikis Theodorakis – unsterblich“

Diese Galerie enthält 31 Fotos.

am 9. September im Altenberger Hof (Köln-Nippes). Der Abend war mit etwa 170 Zuschauer*innen sehr gut besucht und bot ein vielfältiges Programm. Mischi Steinbrück trug einen von ihr verfassten Text, angereichert mit Zitaten aus Mikis Theodorakis‘ Autobiografie „Die Wege des … Weiterlesen

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EYATH: Mobilisierung der Arbeitnehmer und Beschwerden über Irreführung durch die Regierung

21.9. – SOSTE TO NEPO

Heute wird im Staatsrat (Verfassungsgericht) der Einspruch der Angestellten von EYATH-EYDAP gegen die Umsetzung der Entscheidung, das Wasser aus der Staatskasse zu entnehmen, verhandelt.
Die undemokratische Enteignung durch die Regierung wird nicht passieren!
Gerechtigkeit ist die letzte Zuflucht vor der Willkür der Macht,
SIE KANN NICHT ANNULLIERT WERDEN!

Und wie lautete das Ergebnis? Hier die Antwort von Kriton Arsenis (Umweltschützer und griechischer Abgeordneter für West Athen, MeRA25/DiEM25): „Heute Morgen im Staatsrat wurde gegen den verfassungsrechtlichen Irrweg von Mitsotakis entschieden, der die Gerichtsentscheidung zum Verbot der Wasserprivatisierung ignoriert hat, weil sie ihm einfach nicht gefiel. Der verfassungsrechtliche Irrweg wird nicht durchgehen. Das war ’74 endgültig vorbei.“

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Der Kampf gegen die Wasserprivatisierung in Griechenland geht in die nächste Runde

Die Beschäftigten der Wasserwerke von Thessaloniki streikten und protestierten am 8.09.2022 erneut gegen die Wasserprivatisierung

Im Februar dieses Jahres hatte das Verfassungsgericht der Republik Griechenland, der sogenannte Staatsrat, zwei wegweisende Urteile zu dieser Frage verkündet. Der Staatsrat erklärte eine Mehrheitsbeteiligung des Superfonds am Aktienkapital der Wasserwerke von
Athen und Thessaloniki (EYDAP und EYATH) für verfassungswidrig. (1)

Zur Erinnerung: Am 18. Mai 2014 hatten sich die BürgerInnen von Thessaloniki mit über
98 % in einem Referendum gegen die Privatisierung der Wasserbetriebe ihrer Stadt
ausgesprochen. Doch die Mitsotakis-Regierung hat Ende Juli mit einem neuen Gesetz (2) die Entscheidungen des Obersten Verfassungsgerichtes aufgehoben. Die Gewerkschaft der Wasserwerke von Thessaloniki (EYATH) spricht in diesem Fall von einer vorsätzlichen Demontage der demokratischen Prinzipien und Institutionen. Die Beschäftigten der EYATH, die sich besonders durch ihr Engagement gegen alle Privatisierungsbestrebungen der EU und der griechischen Regierungen hervorgetan haben, organisierten am 8. September 2022 eine gelungene Protestaktion kombiniert mit einer Arbeitsniederlegung während der Aktionärshauptversammlung des Wasserversorgungsunternehmens.

Folgendes Transparent wurde an vielen Stellen aufgehängt und durch die Straßen getragen.

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Abhörskandal in Griechenland: Eine Mauer des Schweigens

Von Wassilis Aswestopoulos, 9.9.2022 – Telepolis

Regierungspartei schützt eigene Leute nach Lauschangriff auf Journalisten und politische Gegner. Drohungen gegen mögliche Informationsgeber. Schwester des Premiers: „Wer aussagt, riskiert zehn Jahre Gefängnis.“

Der Untersuchungsausschuss des griechischen Parlaments zum Abhörskandal des Geheimdienstes hat Mitte der Woche in Athen seine Arbeit aufgenommen. Gleich zu Beginn der Sitzung zeigte die Regierung, was sie unter „lückenloser Aufklärung“ versteht – nämlich nichts!

Ende August hatte das Parlament in Athen mit 142 Stimmen für die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses gestimmt. Die fünf Oppositionsparteien votierten geschlossen dafür. Unterstützung bekam das Anliegen von der Kommunistischen Partei (KKE) und weitere linke Oppositionsfraktionen über die Reste der sozialdemokratischen Pasok bis hin zu der nationalkonservativen Fraktion der Partei „Griechische Lösung“.

Der Skandal hat damit ein konkretes politisches Nachspiel, nachdem im Frühjahr zunächst bekannt geworden war, dass der Wirtschaftsjournalisten Thanassis Koukakis ausgehorcht worden war. Auf seinem Smartphone wurde die Spionagesoftware „Predator“ gefunden. (…)

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Erfolg der LARCO-Belegschaft

Seit Monaten kämpften die Arbeiter*innen von Larco gegen die Schließung ihrer Fabrik. Ende Juli wurden Entlassungen und Schliessung offenbar vertraglich abgewendet. Streik und Proteste am 29.7. wurden ausgesetzt.

„Die Verwaltungsräte der Larko-Gewerkschaften teilen aktuell via Pressemitteilung mit, dass die Larko-Belegschaft in ihrem Arbeitskampf gegen die Schließung des Werks einen großen Erfolg errungen hat: Liebe Kolleginnen und Kollegen, nach dem Treffen der Larko-Gewerkschaften mit der Geschäftsleitung können wir Ihnen mitteilen, dass die wichtigsten Forderungen, die wir auf der Grundlage der Beschlüsse der Arbeitnehmervollversammlungen gestellt hatten, akzeptiert wurden. Sie verpflichteten sich, einen Instandhaltungsplan zu erarbeiten und Vorbereitungen für die baldige Wiedereröffnung der Anlagen des Unternehmens zu treffen. Weiter verpflichteten sie sich, die Erlöse aus dem Verkauf von Produktion, Rohstoffen und Nebenprodukten für die Instandhaltung der Infrastruktur und der Anlagen des Unternehmens zu verwenden. Es würden keine Mitarbeiter entlassen, weder in den Vertragsunternehmen, noch bei den kleineren Projektträgern. Während des Erfüllungszeitraums wird es keine nachteiligen Lohnänderungen für die Beschäftigten geben. Unter diesen Umständen und unter Vorbehalt … der Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen haben wir beschlossen, den für Freitag, den 29. Juli, angekündigten Streik sowie die Mobilisierung auf dem Syntagma-Platz in Athen auszusetzen. Wir werden keines unserer Rechte aufgeben, wir werden bereit und wachsam sein – für die Umsetzung der von der Sonderverwaltung eingegangenen Verpflichtungen. Kolleginnen und Kollegen, unser seit 30 Monaten andauernder gemeinsamer Kampf ist nicht umsonst, wir bei Larko sind alle Arbeiter; niemand wurde entlassen; wir sind alle zusammen und werden es bis zum Ende bleiben. Wir senden den Gewerkschaften und Arbeitern, die jeden Tag ihre Solidarität zum Ausdruck bringen, von Herzen die wärmsten kämpferischen Grüße und erklären: Wir werden unseren Kampf bis zum Ende fortsetzen. Wir werden unseren Kampf fortsetzen. Die Verwaltungsräte…“ (s. Labournet: Kampf gegen die Privatisierung des griechischen Nickel-Unternehmens Larco)

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Vio.Me feierte in diesem Sommer 9 Jahre Selbstverwaltung – noch einmal herzlichen Glückwunsch!

Vio.Me, die seit 2012 von den Arbeiterinnen besetzte und seit 2013 in Selbstverwaltung produzierende Seifenfabrik in Thessaloníki, feierte am 3. und 4. Juni 2022 mit tausenden Unterstützerinnen ein rauschendes Fest zum 9-jährigen Betriebsjubiläum.

Mit deutlicher Verspätung möchten wir diesen (zuvor übersehenen) Bericht doch noch veröffentlichen.

Von: Ralf Dreis – 8. Juni 2022

Die nach wie vor einzige in Griechenland existierende Fabrik in Arbeiter*innenselbstverwaltung beweist damit erneut ihr Durchhaltevermögen und die trotz der immer wiederkehrenden staatlichen Versuche das Projekt zu beenden, ungebrochene Kampfkraft und Lebensfreude der beteiligten Aktivist*innen. Mehrere Tausend Unterstützer*innen aus ganz Griechenland, Aktivist*innen sozialer Bewegungen, besetzter Häuser, Gewerkschaften und feministischer Organisationen begingen das Jubiläum mit einem alternativen Produzent*innen-Markt, Diskussionen, Film- und Theatervorführungen, Tanz und den Konzerten bekannter griechischer Musiker*innen wie Natása Bofíliou, Dimítris Zervoudákis, Thémis Karamouratídis und vieler anderer.

Repression gegen Vio.Me

Der letzte direkte staatliche Angriff auf die Fabrik war nicht unerwartet am 30. März 2020 erfolgt. Schließlich hatte die erst seit einigen Monaten amtierende neoliberal-reaktionäre Regierung unter Kyriákos Mitsotákis (Néa Dimokratía) schon im Wahlkampf harte Repression gegen anarchistische Projekte, besetzte Häuser und selbstverwaltete Fabriken angekündigt. Mit großem Polizeiaufgebot wurde Vio.Me mitten in der Quarantäne der Strom abgestellt. „Ein Kran war aufgestellt und die Aktion wurde von zwei Einheiten der Spezialeinsatzkräfte mit Gefangenentransportern durchgeführt, was eindeutig auf einen politischen Auftrag hinweist“, beschrieben die Arbeiter*innen den Angriff in einer Pressemitteilung. Sie beklagten darin auch die fehlende Solidarität der „Kollegen“ des Öffentlichen Elektrizitätsunternehmens (DEI), ohne die das Abklemmen des Stroms nicht möglich gewesen wäre.

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