Bitterer Sieg für Schiffbrüchige

Griechenland wollte Geflüchtete für Katastrophe vor Pylos verantwortlich machen. Justiz erklärt sich für »nicht zuständig«

Von Hansgeorg Hermann, Chaniá, 23.5.2024 – junge Welt

Nach der Tragödie vor Pylos: Überlebende werden in einem Lagerhaus interniert (Kalamata, 15.6.2023)

Mehr als 600 Menschen starben in der Nacht zum 14. Juni vergangenen Jahres beim Untergang des Fischkutters »Adriana« vor dem griechischen Küstenort Pylos im Süden des Peloponnes. Neun junge Ägypter sollten danach als Sündenböcke für die Katastrophe verantwortlich gemacht, verurteilt und womöglich ihr Leben lang in griechischen Haftanstalten weggesperrt werden. So wollten es offensichtlich die Lenker der Athener Immigrationspolitik und die für den Küstenschutz zuständigen Behörden. Die aber hätten vor rund elf Monaten nicht nur organisatorisch versagt, sondern womöglich selbst aktiv am Untergang des maroden, mit geschätzten 750 Passagieren hoffnungslos überladenen Kutters mitgewirkt, sagten Überlebende aus. Am Dienstag nachmittag erklärte sich das Gericht in der Hafenstadt Kalamata, das den Fall zu verhandeln hatte, für »nicht zuständig«, da die »Adriana« nicht auf griechischem Hoheitsgebiet, sondern in internationalen Gewässern gesunken sei. Die von der Staatsanwaltschaft als angebliche Schlepper und Schiffsführer angeklagten Männer im Alter von 21 bis 39 Jahren wurden nach elf Monaten Untersuchungshaft auf freien Fuß gesetzt. (…)

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