John Malamatinas (Referent u. Übersetzer), Makis (Vio.Me), Manfred Neugroda (Moderation)
Etwa 60 Menschen versammelten sich am 18.10. in der Alten Feuerwache, um Aktuelles über VioMe, die rückeroberte Fabrik in Thessaloniki, aus erster Hand zu erfahren. Neben Köln waren Kiel, Celle und München Stationen der Rundreise von Makis Anagnostou. Über die aktuelle Lage in Griechenland, die Politik der Mitsotakis-Regierung und den Widerstand, z.B. in Exarchia, referierte – ebenfalls aus eigener Erfahrung – John Malamatinas, der zugleich die Übersetzung übernahm.
In seinem Eingangsbeitrag betonte Makis, dass die VioMe-Belegschaft zu keiner Zeit auf eine direkte Unterstützung durch irgendeine Regierung gesetzt, sondern immer ihre Unabhängigkeit bewahrt hat. Zeit gewinnen und Widerstand leisten war stets die Devise. Egal, welche Angriffe kamen und noch kommen werden, es gilt die Vereinbarung, den Betrieb niemals freiwillig zu räumen.
7000 Menschen nahmen am 2. CoOpenAir Festival teil
Am 11-12-13 Oktober fand auf dem Gelände des rückeroberten Betriebes VioMe das 2. Coopenair Festival zahlreicher Selbsverwaltungsprojekte und Kooperativen statt. Mehr als 7000 Menschen nahmen daran teil. Und sie sandten eine Botschaft der Solidarität an das kurdische Volk senden, das sich der türkischen Invasion in Nordsyrien widersetzt. Von VIOME nach Syrien der Kampf für Erde und Freiheit!
The 2nd Coopenair Festival (Thessaloniki) of the seelf-managed and famous factory @SE_VIO_ME sending a message of solidarity to the Kurdish people who resist the Turkish invasion of northern Syria.
Nach Feuertod in Moria verschärft Athen das Asylrecht. Mehr als 200 Menschen werden aufs Festland gebracht
Von Efthymis Angeloudis Junge Welt vom 2.10.2019
Auf der griechischen Insel Lesbos haben am Dienstag rund 500 Geflüchtete gegen die unerträglichen Bedingungen in dem Flüchtlingslager Moria protestiert. Sie forderten ihre sofortige Abreise nach Athen und Transparenz über die Zahl der Menschen, die am Sonntag bei einem Brand im sogenannten Hotspot getötet wurden. (…)
Polizeikräfte errichteten 300 Meter vom
Lager Straßensperren mit Polizeibussen um die Demonstration in Richtung
der Inselhauptstadt Mytilene zu verhindern. Wie bei den Protesten am
Montag, soll laut Angaben der Online Zeitung stonisi.gr der
Polizeidirektor der Region Nordägäis, Eleftherios Durundus, anwesend
gewesen sein, der mit den Flüchtlingen sprach und sie aufforderte,
Geduld zu haben.
»Wir alle wissen, dass die Bedingungen in Moria schwierig sind«, sagte Durundus demnach den versammelten Menschen mit Hilfe eines Übersetzers. »Aus diesem Grund hat die Regierung eures Gastlandes innerhalb eines Monats entschieden, dass die meisten Bewohner des Empfangszentrums Moria in andere Aufnahmestrukturen versetzt werden«. (…) »Mit den neuen Rechtsvorschriften wird der Antragsprozess in drei Monaten abgeschlossen sein.«
Die »neuen Rechtsvorschriften« von denen der Polizeidirektor berichtete, sind jedoch, laut Einschätzung griechischer Tageszeitungen, eine eindeutige Verschärfung des Asylrechts. Wie die Efsyn am Dienstag berichtete, sieht der Gesetzesentwurf vor, dass »bei Migranten, die bei ihrer Aufnahme nicht den Überstellungsentscheidungen der Strukturen nachkommen, davon ausgegangen wird, dass sie keinen Schutz wünschen, und sie dem Rückführungsverfahren verwiesen werden«. Das Asylverfahren werde somit willkürlich mit dem Verhalten der Flüchtlinge gekoppelt. (…)
Archivbild des Athener Viertels Exarchia (Dezember 2015). Bild: W. Aswestopoulos
Gericht setzt Schlusspunkt unter ein seltsames Verständnis der Polizei zur Pressefreiheit
„Nicht schuldig“, so lautete das Urteil des Athener
Schnellgerichts gegen den Fotoreporter Alexandros Stamatiou. Angeklagt
war Stamatiou wegen Hausfriedensbruch und Widerstand gegen die
Staatsgewalt. Vor dem Freispruch lagen drei schwer zu ertragende Tage
für Stamatiou. Der unter anderen von Al Jazeera zu den besten Fotografen im Jahr 2016 gezählte Stamatiou ist für die regierende, konservative Nea Dimokratia ein unangenehmer Zeitgenosse.
Seine Reportagen zeigen meist die Menschen, die zu den Leidtragenden
der Politik von Premierminister Kyriakos Mitsotakis zählen, Flüchtlinge,
Migranten und ärmere Griechen.
Ein unbequemer Fotograf
Stamatiou, der auch „Fotograf des Balkans“ genannt wird, wurde im April dieses Jahres auf offener Straße von rechtsradikalen Gewalttätern gejagt und zusammengeschlagen. Sein Gesicht ist in Griechenland bekannt. In den vergangenen Jahren hatte er mit Reportagen über Nord-Mazedonien Gemeinsamkeiten und nicht das Trennende der beiden damals im jahrzehntelangen Namensstreit stehenden Nachbarn Griechenland und Mazedonien, in den sich auch andere Länder mischten, aufgezeigt.
von Elisa Hübel, Griechenlandzeitung vom 24.9.2019
„Sie demonstrieren separat sowohl in Athen als auch in anderen größeren Städten des Griechenlands. Der Protest richtet sich in erster Linie gegen ein neues Entwicklungsgesetz, das die griechische Regierung verabschieden möchte. Ein Gericht in Piräus stufte die Beteiligung der Seemannsgewerkschaft PNO am ADEDY- und PAME-Streik als „illegal“, aber nicht als „missbräuchlich“ ein. Die Gewerkschafter ließen dennoch die angekündigte 24stündige Arbeitsniederlegung nicht platzen. Allerdings einigte man sich auf Ausnahmen, so durften Schiffe u. a. vom Hafen von Volos aus in Richtung der Sporaden abgefahren. (…)“
„Die Schonzeit für die neue konservative Regierung in Griechenland ist vorbei: Die Gewerkschaften gehen auf die Straße und fordern mehr Geld und keine Privatisierungen.
Knapp drei Monate nach dem Wahlsieg der
Konservativen von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis haben
griechische Gewerkschaften heute weite Teile des Staates und des
Verkehrs bestreikt. Zum Arbeitskampf gegen weitere Sparmaßnahmen und
Privatisierungen hatten die Gewerkschaft der Staatsbediensteten ADEDY
und die kommunistische Gewerkschaft PAME aufgerufen.
Um die Mittagszeit demonstrierten in Athen und anderen großen Städten Tausende auf den Straßen. „Wir wollen Lohnerhöhungen und keine Entlassungen“, skandierten sie. (…)“
Makis Anagnostou vom rückeroberten Betrieb VioMe in Thessaloniki kommt nach Köln
Als die Geschäftsführung der VioMe AG über Nacht verschwand, blieben die Kolleg*innen, besetzten den Betrieb und produzieren seitdem ökologische Seifen und Haushaltsreiniger in Eigenregie. VioMe ist heute ein Leuchtturmprojekt der Arbeiterselbstverwaltung und zugleich ein soziokulturelles Zentrum mit vielfältigen Aktivitäten, unterstützt von einem internationalen Solidaritätsnetzwerk. Alle Versuche zur Zwangsversteigerung konnten bisher abgewehrt werden, aber mit weiteren, auch härteren Angriffen seitens der Mitsotakis-Regierung ist zu rechnen.
Solidarität mit den Kolleg*innen von VioMe!
18. Okt. 19 Uhr, Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3, 50670 Köln
MakisAnagnostouwird über die Situation von VioMe und die Situation der alternativen antikapitalistischen Projekte berichten. John Malamatinas analysiert das Programm der neuen griechischen Regierung und den Widerstand, besonders in Athen/Exarchia.
Griechenland-Solidaritäts-Komitee Köln (GSKK.org), unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW
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