(…) 2011 wurde bei Probebohrungen rund um die Republik Zypern große Erdgasvorkommen gefunden. Seitdem stritten sich zuerst die Konzerne Noble Energy, Eni, Kogas und Total um die Erdgasvorkommen. Seit 2018 schaltete sich zwecks des militärisch kontrollierten Gebietes aus die Türkei mit seinem Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ein und sendete türkische Kriegsschiffe aus, um Probebohrungen durchzuführen. (…)
Konflikt mit Säbelrasseln
Das Säbelrasseln lässt nicht nach und spitzt sich immer weiter zu. So nahm zuletzt Griechenland Erdgaskonfliktes als Vorwand zur militärischen Aufrüstung. Demnach bestellte die griechische Regierung unter Federführung des liberal-konservativen Regierungschefs Kyriakos Mitsotakis sechs neue Kampfjets „Dassault Rafale“ des französischen Flugzeugherstellers „Dassault Aviation Group“. Mit einer weiteren Bestellung von 18 Kampfjets besitzt Griechenland bald 24 dieser Flugzeuge. Ebenso will Griechenland vier neue Fregatten kaufen.
In Griechenland ist Angela Merkel mehrheitlich unbeliebt.
Das liegt vor allem an den aus griechischer Sicht zu harten Sparauflagen während der Schuldenkrise.
Für ihre Flüchtlingspolitik bekam Merkel dagegen Anerkennung.
Von Gerd Höhler, 15.9.2021 – RND
Merkel-Besuch in Athen 2012
Athen. Als Angela Merkel jetzt in einer Diskussion nach den schwersten Momenten ihrer Kanzlerschaft gefragt wurde, erinnerte sie an die griechische Schuldenkrise. Sie habe damals den Menschen in Griechenland „so viel zugemutet“, sagte Merkel. In griechischen Medien wurde diese Reminiszenz überwiegend mit Ironie kolportiert. „Eine Entschuldigung ist das ja nicht“, stellte der Moderator des Fernsehsenders Skai fest.
Angela Merkel und die Griechen: Eine schwierigere Beziehung kann man sich kaum vorstellen. Die meisten Menschen in Griechenland weinen der scheidenden Kanzlerin keine Träne nach. Sie sehen in ihr die treibende Kraft des „deutschen Spardiktats“ während der Staatsschuldenkrise. 2010 schnürten EU und Internationaler Währungsfonds das erste Hilfspaket für Griechenland. Es enthielt harte Auflagen. „Es muss wehtun“, habe Merkel ihm seinerzeit erklärt, erinnert sich der damalige griechische Premierminister Giorgos Papandreou. (…)
Veröffentlicht unterGriechenland|Verschlagwortet mitGasstreit, Merkel, Schuldenkrise, Spardiktat, Türkei|Kommentare deaktiviert für Keine Tränen um Angela Merkel – so blickt Griechenland auf die Ära der scheidenden Kanzlerin
Am 31. August hatte die griechische Regierung eine Kabinettsumbildung durchgeführt. Diese hat ihr – was die Wählergunst betrifft – wohl mehr geschadet als genutzt. Der neue Gesundheitsminister Plevris, ein Politiker vom rechten Rand der regierenden Nea Dimokratia, scheint besonders unpopulär. Außenminister Dendias hingegen rangiert auf der Beliebtheitsskala ganz oben.
Das bekannte, aus der rechtspopulistischen LAOS stammende rechte Trio: Thanos Plevris (neuer Gesundheitsminister), Adonis Georgiadis (auch bisher schon Entwicklungsminister), Makis Voridis (seit 2021 Innenminister)
Eine Ende August durchgeführte Kabinettsumbildung scheint der griechischen Regierung eher schlecht bekommen zu sein. Lediglich 14 % der Griechen haben dazu eine positive Haltung. Das geht aus einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Prorata hervor. Demnach vertreten 38 % der Befragten die Ansicht, dass sich die Regierungsarbeit von nun an verschlechtern werde. Deutlich mehr als vier von zehn Griechen (45 %) glauben hingegen, dass die Arbeit der Regierung unverändert bleiben werde. Als beliebtester Parteichef schneidet nach wie vor Premierminister Kyriakos Mitsotakis mit 44 % positiven Stimmen ab. Es folgt der Oppositionsführer vom Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) Alexis Tsipras mit 34 %, der damit etwas aufgeholt hat. Dicht auf den Fersen ist ihm der Generalsekretär der kommunistischen Partei KKE Dimitris Koutsoumbas (32 %). (…)
„Um die Beziehungen zwischen Berlin und Athen steht es nicht gut. Das liegt vor allem am mangelnden Fingerspitzengefühl Deutschlands.“
Schreibt Jens Bastian, 7.9.2021 – Gastautor der TAZ
Als „Strafe Gottes“ bezeichnete der griechische Abgeordnete Babbis Papadimitriou die deutsche Flut
<<Athen im Sommer 2021. Es kracht an verschiedenen Ecken und Kanten im deutsch-griechischen Verhältnis. Ende Juni kam es zu einem öffentlichen diplomatischen Disput zwischen den Außenministerien in Berlin und Athen. Der Anlass war die zweite Berlin-Konferenz zu Libyen. Die Türkei war eingeladen, Vertreter der Afrikanischen Union, der Arabischen Union, der Republik Kongo sowie Delegationen aus Algerien, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Nur Athen erhielt keine Einladung und fühlte sich durch Berlin brüskiert. Drei Wochen später werden Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen von einer Flutkatastrophe getroffen. Zahlreiche Länder bieten ihre Hilfe an. Und wie sieht es mit der Solidarität in Griechenland aus? Die „Flutkatastrophe ist eine Strafe Gottes für jene, die uns in der Vergangenheit belehrend den Zeigefinger entgegenhielten und uns als Dritte-Welt-Land bezeichneten.“ (…)>>
Ganz zum Schluss, am offenen Grab auf dem Friedhof seines Heimatdorfes Galata, begegnete Mikis Theodorakis noch einmal einem alten Freund. Zwei Musiker spielten und sangen ihm das Lied des Freundes und Dichters Tasos Livaditis von der weinenden Mutter. Der Komponist, Widerstandskämpfer und Politiker Theodorakis, am Donnerstag der vergangenen Woche in Athen im Alter von 96 Jahren verstorben, ist in den Armen seiner »Mutter Kreta« angekommen. Zehntausende gaben ihm in Athen das letzte Geleit, Hunderte holten ihn sieben Tage später im Morgengrauen im Hafen von Souda vom Schiff ab, Tausende Kreter nahmen in der Metropolis von Chania am Sarg Abschied von ihrem größten Sohn.
Ά
In Athen war der Leichnam seit Montag drei Tage lang aufgebahrt worden. Zur freudlosen Messe des Erzbischofs von Athen und seiner Gefolgschaft war ganz Athen gekommen: Prominenz aus Politik und Kultur – vor allem aber enge Freunde und das Volk, das ihn verehrte, das vor den schweren Türen der Metropolis ausharrte. Drinnen, wo Hieronymos II, Primas der griechisch-orthodoxen Kirche, und seine klerikalen Zeremonienmeister mit versteinerten Gesichtern der bewegenden Abschiedsrede des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), Dimitris Koutsoumbas, folgten, gaben auch Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou, der amtierende rechtskonservative Premierminister Kyriakos Mitsotakis und dessen linker Vorgänger Alexis Tsipras dem berühmten Griechen die letzte Ehre.
Koutsoumbas, dessen Worte – wie auch die der Staatspräsidentin – per Lautsprecher nach draußen übertragen wurden, vergaß unter dem Beifall der vielen tausend nicht zu erwähnen, wer den einstigen Widerstandskämpfer am Ende des Bürgerkriegs im Januar 1949 auf die Folterinsel Makronisos deportiert hatte. Der einst »schlimmste Feind« der politischen Rechten, wie die Athener Tageszeitung Efimerida ton Syntakton bilanzierte, starb nach den Worten Sakellaropoulous’ als »Symbol und Vorbild, als Lehrer der Nation«. Er selbst hatte vor einem Jahr in einem Brief an Koutsoumbas erklärt, dass er die Welt »als Kommunist« verlassen werde, weil er seine besten und wichtigsten Jahre »unter der Fahne der KKE« gelebt habe. (…)
Nachruf auf Mikis Theodorakis/ Von Mischi Steinbrück
Mischi Steinbrück
Mikis Theodorakis … Komponist und Poet. Musiker und Widerstandskämpfer. Exilierter und Gefolterter. Minister und Abgeordneter. Friedensstifter. Sämann. Wieder-Erfinder einer Kultur. (1) Er hatte eine glückliche Kindheit, überaus liebevolle Eltern und ein wundervolles Umfeld. Er selbst schreibt: „Bis zu meinem fünften Lebensjahr lebten wir auf Lesbos. An dieser Stelle setzen meine Erinnerungen ein… Das, was mich damals am meisten beeindruckte, waren das blaue Meer und das weiße Schiff ‚Alberta’… Noch heute versuche ich, den Eindruck jener unfassbaren Schönheit, die sich damals in meine kindliche Seele ergoss, musikalisch festzuhalten…“ (2)
Dass einer das werden konnte, was er wurde, hat diese beiden entscheidenden Voraussetzungen: Die Liebe, die er auf so vielfältige Weise weitergab. Und die Schönheit, die ihn durchdrang.
Am 2. September 2021 ist dieser unglaubliche Mensch im Alter von sechsundneunzig Jahren von uns gegangen. Wenn wir nur einen Bruchteil seiner Wärme, seiner Kraft, seiner Treue zur Idee in uns spüren und versuchen weiterzugeben, lebt sein Geist weiter; lebt weiter, was er uns geschenkt hat. Hören wir ihn uns wieder und wieder an!
Heute morgen ist Mikis Theodorakis gestorben. Mit 96 Jahren, fast ein ganzes Jahrhundert alt. Was bleibt von ihm? Seine Musik und seine Vision von Verständigung und Verständnis in einer friedlichen Welt.
Wir, Sabine, Ludwig und Wolfram, das Chemnitzer Trio QUIJOTE, lieben seine Musik, seine Lieder. Sie beflügeln uns. Es gibt kaum ein Konzert, in dem wir nicht wenigstens einige seiner Lieder spielen. Ihre Melodien bringen die Herzen zum Klingen, die Augen zum Leuchten. Ihre Texte den Kopf zum Denken. Mit der Poesie der großen griechischen Lyriker wie Giorgos Seferis, Odysseas Elytis und Jannis Ritsos sind seine Vertonungen eine Symbiose eingegangen, die die Menschen weltweit erreicht.
Also bleibt Kunst für das Volk. Eine Kunst, die auf Traditionen aufbaut, die epochale Ereignisse widerspiegelt, Emotionen bindet und Hoffnung gibt.
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