Mitabeiter Dimitris Koutamatiolis im Gespräch über die Zukunftsaussichten und anstehenden Kämpfe der selbstverwalteten Fabrik
Die Fabrik vio.me wird seit 2011 von den Mitarbeitern in Thessalonikiselbstverwaltet betrieben. Was hat sich an der Produktionverändert?
Die Produktion ist jetzt viel größer geworden. Zu dieser Entwicklung hat der Online-Shop beigetragen. Alle 22 Arbeiter können jetzt hier arbeiten und es gibt einige externe Mitarbeiter. Diese sind aber nicht Mitglieder des Kollektivs. Sie liefern mit dem Fahrrad vio.me Produkte aus. Zu dieser Vergrößerung der Produktion hat außerdem die Ausweitung unseres Netzwerkes beigetragen. Dazu gehört auch die Unterstützung aus dem Ausland, wie Deutschland sowie das Solidaritätsnetzwerk in Griechenland. Außerdem produzieren wir jetzt wieder Kleber und einen organischen Putz.
Von: SE VIOME <info@viomecoop.com>
Datum: 22.09.2016 08:58:09
Wir möchten dem Griechenland-Solidaritäts-Komitee in Köln für seine aufrichtigen
Bemühungen bei der Spendensammlung für einen Transporter herzlich danken. Damit ist sowohl die Verteilung unserer Produkte als auch die Beförderung unserer Kollegen gesichert.
Mit wertschätzenden, kollegialen und solidarischen Grüßen
Die Arbeiter von VIO.ME
Ευχαριστήριο μήνυμα
Προς: viomesynergatiki@yahoo.gr <viomesynergatiki@yahoo.gr>
Θα θέλαμε να ευχαριστήσουμε πολύ την επιτροπή αλληλεγγύης της Κολωνίας για την φιλότιμη προσπάθεια που έδειξαν, στην προσπάθεια μας να μαζέψουμε χρήματα, για να αποκτήσουμε ένα φορτηγάκι . Με σκοπό την εξασφάλιση των μεταφορών των προϊόντων αλλά και των εργαζομένων .
Με πολύ εκτίμηση και αλληλεγγύη οι εργαζόμενοι στην ΒΙΟ.ΜΕ.
Ende Oktober, anlässlich eines internationalen Meetings selbstverwalteter Betriebe und Projekte auf dem Gelände von VIO.ME, haben wir die Kollegen getroffen und den Transporter im Einsatz erlebt. (Ein Bericht über das Meeting folgt in Kürze.)
Das GSKK dankt allen Spenderinnen und Spendern, die diesen Erfolg möglich gemacht haben.
Griechische Sozialklinik: Konkrete Solidarität und Selbsthilfe
70 Prozent der Griech_innen glaubten im Juni nicht, dass sie ihre Steuern bezahlen können – kurz nachdem das griechische Parlament auf Verlangen der Troika weitere Steuererhöhungen beschlossen hatte (1) . Die Mehrheit der Deutschen nimmt die Notlage der griechischen Bevölkerung nicht als eine von Bundesregierung, EU und IWF verursachte Katastrophe wahr. Sie ist gegen Transferzahlungen und billigt die deutsche Regierungspolitik gegenüber Griechenland. (2) Diese Ausgangslage und die sich kontinuierlich verschärfende Not vieler Griech_innen war Motivation für einige Oldenburger_innen, einen Verein zur Unterstützung der Sozialklinik Kalamata(3) zu gründen. Und um Sach- sowie Geldspenden für dieses Ambulatorium (siehe Anhang) zu sammeln. (4)
Internationale Expertengruppe fordert Wiederherstellung der Tarifautonomie und Ende der Mindestlohnkürzung für Jugendliche in Griechenland
Von Daniel Behruzi
Mit Expertengruppen ist es so eine Sache. Allzuoft dienen sie dazu, reaktionäre Politik zu legitimieren oder progressive Maßnahmen auf die lange Bank zu schieben. Ganz anders verhält es sich mit einer Gruppe von Fachleuten, die im Auftrag der griechischen Regierung und der Europäischen Kommission die Arbeitsmarktinstitutionen in Hellas unter die Lupe genommen hat. Ihr kürzlich veröffentlichter Abschlussbericht ist eine herbe Klatsche für die frühere »Troika«, also die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF), die seit Anfang 2015 als »die Institutionen« bezeichnet werden.
Die Empfehlungen der acht Experten – vier benannt von der »Troika«, vier von der griechischen Regierung, darunter der Jurist Wolfgang Däubler und der Soziologe Gerhard Bosch aus Deutschland – werden zwar eher in einem »sozialpartnerschaftlichen« Duktus vorgetragen. Dennoch haben sie es in sich. So fordern die Autoren mehrheitlich, dass ab 2012 beschlossene Einschränkungen der Tarifautonomie rückgängig gemacht werden.
Ein aktueller Kurzbericht über die Situation der inzwischen legendären selbstverwalteten Fabrik in Thessaloniki von Konstantin Koustas
Eine vorsätzliche und demonstrative Demontage der rechtlichen, politischen und sozialen Institutionen des Landes findet seit Jahren statt und verschlimmert sich. Hiobsbotschaften sind ein alltägliches Phänomen. Ein brutaler Raubzug und Ausverkauf des staatlichen und des privaten Vermögens vollzieht sich vor aller Augen: Rentner gehen auf die Strasse und werden mit brachialer Gewalt von der Polizei daran gehindert; allwöchentlich werden Privatwohnungen (Erstwohnsitze) versteigert – jedes Mal versuchen verzweifelte Menschen die Gerichtstermine zu blockieren und verhindern.
Immer mehr Menschen warten monatelang auf die Auszahlung ihrer Löhne. Noch nie hat es soviel Schwarzarbeit, Prekarisierung und vollkommen ungeschützte Arbeitsverhältnisse gegeben und die Folgen der Scheinselbständikeit sind nicht abzusehen. Fast 400.000 Menschen haben in den letzten Jahren das Land verlassen und versuchen im Ausland ein Auskommen zu finden. Das Schlimmste ist die Tatsache, dass diese desaströse Memorandumspolitk ausgerechnet von einer „linken“ Regierung umgesetzt wird. Doch trotz Resignation und Frustration gibt es immer noch Menschen, die nicht aufgeben sondern kämpfen. Eines der Beispele für diese Kampfbereitschaft ist Vio.me.
Gemeinsam organisiert durch das GSKK, Attac Köln und Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) Köln fand am 7. September im Allerweltshaus eine Veranstaltung statt mit Filippos Polatsidis, Sprecher der Initiative „Gärtner von Thessaloniki“ (Per’volarides). Filippos berichtete von den verschiedenen Projekten der Intiative und anderen Beispielen der solidarischen Ökonomie in Griechenland, die auch eine Form der Selbstorganisation der durch das EU-Diktat verarmten Bevölkerung darstellen.
Mehr als eine Million der insgesamt knapp elf Millionen Griechen ist arbeitslos. Viele Menschen haben das Land verlassen, um im Ausland eine Arbeit zu suchen, so Polatsidis. Kleine Landwirtschaftsbetriebe gingen zugrunde, vor allem aufgrund gestiegener Lieferanten- und Zwischenhändlerkosten und wegen der in diesem Jahr auf 23 Prozent erhöhten Mehrwertsteuer. Das Land sei zur „Kolonie der Europäischen Union degradiert“. Wohin man schaue, werde privatisiert, die Lage der Menschen sei desaströs. Projekte wie Per’volarides gäben in dieser Situation Hoffnung: „Obwohl wir unseren Kampf ausgerechnet unter der linken Syriza verloren haben. Es bleibt, dass viele Leute sich politisiert haben.“ Die Initiative helfe auch, um „psychosoziales Verelenden“ zu verhindern.
An einer Reihe von Beispielen erläuterte Filippos Polatsidis die Arbeit der Gärtner-Initiative, die aus einem engen Kreis von sieben Aktivisten besteht, in offenen Treffen aber etwa 50 Familien einbezieht. Erstes Ziel ist die Selbstversorgung mit notwendigen Lebensmitteln und mehr noch: „Wir sprechen über Emanzipation und Kooperation und müssen auch Leute unterstützen, die nicht mehr für sich selber sorgen können“, so Filippos. Ziel sei es, durch Austausch Geld als Zahlungsmittel überflüssig zu machen und so der Krise zu begegnen.
„Spätestens seit dem dritten Memorandum gibt es keine Entscheidung der Regierung mehr, die nicht zuvor über Schreibtische in Brüssel geht. Öffentliche Grundstücke und Unternehmen werden von dort aus verwaltet. Griechenland ist eine Kolonie geworden. Diese Regierung ist schlechter als eine neoliberale, weil sie die Hoffnungen vieler Menschen zerstört und Misstrauen geschaffen hat. Die Regierung muss sich Brüssel endlich widersetzen, sonst macht sie uns zu Sklaven. Die Bevölkerung wird künftig schwer zu mobilisieren sein. Wir Graswurzelinitiativen setzen nun auf Gruppen mit flachen Hierarchien und breiter Mitbestimmung. Nur so ist noch etwas zu erreichen. “ (Filippos Polatsidis in JUNGE WELT vom 12.9.2016)
40 Besucher waren ins Allerweltshaus gekommen, eine Sammlung zur Unterstützung der Arbeit von Per’volarides ergab 272 €. Weitere 125 € zur Anschaffung von Bienenkörben werden der Initiative Ende Oktober in Thessaloniki übergeben.
An einem Freitagmorgen im Juni haben Vertreter der Initiative Per’volarides frischen Fisch an die Vio.Me Kollegen übergeben. Im Austausch erhält Per’volarides Produkte von Vio.me für die von den „Gärtnern“ unterstützten Familien und Flüchtlinge, z.B. Seife.
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