Wenn es einen Helden unserer Zeit in Griechenland gab, dann war es Manolis Glezos. Er starb heute. Bis zum Schluss, mit 97 Jahren, war er leidenschaftlich politisch aktiv. Er wurde sehr jung zum Helden. Kurz nachdem die Nazis Griechenland besetzt hatten, am 30. Mai 1941, kletterte er nachts zusammen mit Apostolos Sandas auf die Akropolis und riss die gehisste Hakenkreuzfahne herunter. Diese Widerstandshandlung war ein Fanal, das viele Griechen zum Widerstand anregte. Während der Besatzungszeit wurde er immer wieder verhaftet und gefoltert. Auch während der düsteren Jahrzehnte nach dem Krieg wurde er aus politischen Gründen viele Jahre in Gefängnissen festgehalten. Er wurde mehrfach zum Tode verurteilt. Sein ganzes langes Leben lang hat er sich in führenden Postionen politisch engagiert. Er war Herausgeber zweier Zeitungen und hat eine Reihe von Büchern geschrieben. Von 2014 bis zum Juli 2015 war er das älteste Mitglied des Europaparlaments.
Rede von M. Glezos zu Entschädigungen am 2. Mai 2015 im überfüllten Hamburger Rathaus
Dieser Beitrag von Georg Brzoska wurde zuerst veröffentlich auf griechenlandsoli.com
Wie konnte es soweit kommen? Im Hass auf die Schwächsten verdichten sich die Jahre der Krise. Aber auch im Festhalten an Solidarität und Menschlichkeit. Von Yannis Albanis 18. 3. 2020 (medico.de)
Angezündet von Rassisten: Schule und Gemeinschaftszentrum für Geflüchtete auf Lesbos. (Foto: Daphne Tolis, Twitter)
In
den letzten Tagen fällt mir oft ein Bild aus meiner Kindheit ein. Wir
sind mit Freunden auf dem Land in Evia unterwegs und wir Kinder spielen
Ball. Mein Vater spielt mit uns. Er trägt eine dunkle Bluse und lächelt
breit. Es ist ein einfaches Bild des Glücks aus einer unbeschwerten Zeit
– eine Szene, die zu einer Zeit zurückkehrt, in der die Epidemie Angst
und Unsicherheit mit sich bringt. In ähnlichen Fällen hätten wir früher
gesagt, dass das, was wir als stabil betrachten, zusammenbricht.
Doch
in Wirklichkeit ist die soziale Stabilität in Griechenland seit 2010
zusammengebrochen. Die Wirtschaftskrise in Verbindung mit den
drakonischen Sparmaßnahmen der Memoranden hat nicht nur zu einem
beispiellosen Rückgang des Lebensstandards geführt – 25 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts sind im Laufe der Jahre verloren gegangen. Ebenso
wichtig war der Zusammenbruch zweier hegemonialer Überzeugungen in
Europa: Erstens die Vorstellung, dass das Leben mehr oder weniger stabil
sei, zweitens, dass die Dinge in Zukunft besser würden. Ich denke, dass
dies eine enorme Veränderung einer Kultur ist, die eigentlich immer auf
einen selbstverständlichen Anstieg des Lebensstandards orientiert war.
Doch in Wirklichkeit ist die soziale Stabilität in Griechenland seit 2010 zusammengebrochen. Die Wirtschaftskrise in Verbindung mit den drakonischen Sparmaßnahmen der Memoranden hat nicht nur zu einem beispiellosen Rückgang des Lebensstandards geführt – 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sind im Laufe der Jahre verloren gegangen. Ebenso wichtig war der Zusammenbruch zweier hegemonialer Überzeugungen in Europa: Erstens die Vorstellung, dass das Leben mehr oder weniger stabil sei, zweitens, dass die Dinge in Zukunft besser würden. Ich denke, dass dies eine enorme Veränderung einer Kultur ist, die eigentlich immer auf einen selbstverständlichen Anstieg des Lebensstandards orientiert war.
Griechenlands Gesundheitssystem droht der Kollaps. Mitsotakis greift zu Kriegsrhetorik
von Hansgeorg Hermann. 27. 3. 2020, Junge Welt
Der Monastiraki-Platz in Athen am vergangenen Sonntag
„Das von der Austeritätspolitik der Europäischen Kommission nahezu zerstörte Gesundheitssystem Griechenlands droht im Kampf gegen das Coronavirus endgültig zu kollabieren. Am Dienstag waren landesweit 695 Infektionen amtlich bestätigt und 17 Menschen gestorben. Die rechtskonservative griechische Regierung verhängte inzwischen – wie die meisten europäischen Staaten – eine allgemeine Ausgangssperre. Völlig abgeriegelt sind die wirtschaftlich weitgehend vom Tourismus abhängigen Inseln in der Ägäis und im Ionischen Meer sowie Kreta: Nur noch diejenigen, die dort ihren ersten Wohnsitz haben, dürfen anreisen. Den Nationalfeiertag – am 25. März 1821 begann der Unabhängigkeitskrieg gegen das Osmanische Reich – verbrachten die Griechen diesmal zu Hause. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis rief zum »Kampf gegen den neuen Feind«, das Coronavirus, auf.
Auch der griechische Regierungschef griff, wie seine Kollegen in anderen europäischen Ländern, in der sich rasch über das Land ausbreitenden sanitären Krise zu Pathos und Kriegsrhetorik. (…)“
In Lagern wie auf Lesbos wäre ein Coronavirus-Ausbruch verheerend. Seehofer verspricht Hilfe – aber konkret hat sich bisher nichts getan.
von Matthias Meisner, Der Tagesspiegel 21.3.
„Den Worten nach ist die Sache auf gutem Weg. Bundesinnenminister Horst Seehofer hält trotz der wegen der Corona-Krise verhängten Einreisebeschränkungen
an seinem Versprechen fest, Minderjährige aus den griechischen
Flüchtlingslagern aufzunehmen. „Wir haben zugesagt, dass wir uns bei der
Aufnahme beteiligen“, sagte Seehofer dem „Spiegel“:
„Dazu stehen wir.“ Zugleich verwies er mit Blick auf die Umsetzung auf
die EU-Kommission: „Das Heft des Handelns liegt jetzt bei der
Kommission.“
Doch wird das auch praktisch klappen? Seit Tagen bemüht sich die in Dresden gegründete Hilfsorganisation Mission Lifeline darum, die Genehmigung für einen Evakuierungsflug von der griechischen Insel Lesbos zu bekommen. (…)“
NGO will Kinder aus Moria ausfliegen: „Wir bleiben dran“
WDR 5 Morgenecho – Interview. 24.03.2020
„Die ersten 100 Kinder & Mütter könnten sofort raus. Der Charterflug ist finanziert. Aufnahmebereite Kommunen & Institutionen sind vorhanden. Was fehlt ist ein Stück Papier & die Solidarität, von der gerade jetzt immer soviel gesprochen wird.“ (Mission Lifeline @Seenotrettung)
Beim Feuer in Moria ist ein Kind gestorben. Griechenland und die EU müssen die Menschen aus dem Lager holen.
Migranten stehen auf den abgebrannten Überresten eines Containerhauses. Im Flüchtlingslager Moria ist am 16.3.20 ein Brand ausgebrochen. Dabei ist ein sechs Jahre altes Mädchen ums Leben gekommen. Foto: Panagiotis Balaskas/AP/dpa
von Rodothea Seralidou, 17. 3. 20 – TAZ
„Brand im Flüchtlingslager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Ein sechsjähriges Kind stirbt. Harte Fakten, die zutiefst erschüttern. Auch wenn die Brandursache am Dienstag noch unklar war und die Behörden eher von einem Unfall als von Brandstiftung ausgehen: Es war nur eine Frage der Zeit. Es war vorauszusehen in einem Lager, in dem auf engstem Raum über 20.000 Menschen – darunter etwa ein Drittel Kinder – in Zelten und selbst gezimmerten Hütten aus Holz und Pappkarton leben, in denen sie Holz anzünden, um zu kochen oder schlicht um die bittere Kälte ertragen zu können, und in dem die Stromkabel unkontrolliert über die Zelte hängen. Vor wenigen Monaten erst kam dort eine Frau bei einem Brand ums Leben. Damals sprachen die Behörden von einem Kurzschluss als Brandursache. (…)“
BERLIN taz | „(…) Warum es am Montagmorgen im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos brannte, ist auch einen Tag später noch unklar. Sicher aber ist: In einem der beiden zerstörten Container fand die Feuerwehr nach den Löscharbeiten die Leiche eines Mädchens. Es war darin offensichtlich lebendig verbrannt.
Das Feuer war in einem Teil des Lagers ausgebrochen, in dem vor allem afrikanische Flüchtlinge leben. Starke Winde hatten es immer wieder angefacht, berichtet die Inselzeitung Sto Nisi. Und auch durch die völlige Überbelegung des Camps hatte die Feuerwehr nach eigenen Angaben Schwierigkeiten, bis zur Brandstelle vorzudringen. Auf Videos ist zu sehen, wie Bewohner des Lagers panisch versuchen, den Brand eigenhändig zu löschen. (…)“
„Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verlangt einen Krisengipfel zu den Flüchtlingen und Migranten mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Dieser soll am 17. März in Istanbul stattfinden. Eventuell wird auch der britische Premier Boris Johnson teilnehmen. Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis ist nicht eingeladen.
Erdogan traf am Montag in Brüssel mit der EU-Spitze zusammen. Mitsotakis reiste nach Berlin und Wien, um dort für seine Flüchtlingspolitik der geschlossenen Grenzen zu werben und materielle sowie personelle Hilfe für seinen Grenzschutz zu erbitten. Die griechische Regierung rüstet an den Grenzen weiter auf. Auch aus Zypern kam ein kleines Kontingent von Polizisten für die Unterstützung der Grenzpatrouillen. Überschattet wird die Krise an den Grenzen seit Montag von der Angst wegen des Coronavirus. (…)“
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