Pressemitteilung des AK-Distomo vom 5. Februar 2015

Pressemitteilung des AK-Distomo vom 5. Februar 2015


Kaum war der neue griechische Ministerpräsident Tsipras im Amt, legte dieser bereits den Finger in die Wunde. Deutschland hat bis heute seine Schulden gegenüber Griechenland aus der Zeit der Besatzung von 1941 bis 1944 nicht bezahlt. Die derzeitige Kampagne deutscher Medien gegenüber der neuen griechischen Regierung stellt eine Verdrehung der tatsächlichen Verhältnisse dar. Die Forderungen Griechenlands sind juristisch, politisch und moralisch begründet.
DistomoXL2-2xsc2v6a8i2zrehrpq3ymiDeutschland hat seine Reparationsverpflichtungen nicht erfüllt, es hat die „Zwangsanleihe“ nicht zurückgezahlt, die das Deutsche Reich der griechischen Staatskasse abgepresst hatte, um die Kosten der Besatzung aufzubringen und auch große Teile des geraubten Kulturguts wurden nicht zurück gegeben. Das sogenannte „Wirtschaftswunder“ in der Bundesrepublik Deutschland wäre nicht möglich gewesen ohne die Stundung der Kriegsschulden im Londoner Schul- denabkommen von 1953. Spätestens seit dem 2+4 Vertrag von 1990 sind diese Schulden aber fällig. Die Zahlungsverweigerung Deutschlands ist ein klarer Bruch internationaler Verträge.

Die griechische Regierung hat daher allen Grund der deutschen zu sagen: „Zahlt erstmal eure Schulden, bevor wir über unsere reden.“ Es gibt eine zweite Schuld, die Deutschland bis zum heutigen Tage nicht beglichen hat und die auf keinen Fall mit den Staatsschulden Griechenlands verrechnet werden darf. Während der deutschen Besatzungszeit von 1941 bis 1944 kamen in Griechenland mehr als 30.000 Menschen allein durch Massaker zu Tode. Die Überlebenden der zahlreichen Nazi-Massaker und die Angehörigen der Ermordeten haben bis heute keine Entschädigungsleistungen von der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Die Opfer der NS-Verbrechen haben Anspruch auf individuelle Entschädigung für den erlittenen Schaden und das Leid.

Nach der grundlegenden Entscheidung des Areopag aus dem Jahre 2000 im Fall Distomo und der Verhinderung der Vollstreckung der Schadens- ersatzansprüche der Opfer gegen deutsches Staatseigentum in Griechenland durch politische Intervention Berlins, waren es zuletzt italienische Gerichte, die den Rechtsweg auch für griechische NS-Opfer eröffneten. Bahnbrechend war die Entscheidung des italienischen Verfassungsgerichts, das am 22. Oktober 2014 feststellte, jeder Mensch habe ein Grundrecht, vor den Gerichten Gehör zu finden. Hieran könne auch die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs (IGH) in Den Haag von Februar 2012 nichts ändern. Mit dieser hatte Deutschland Staatenimmunität für NS-Kriegsverbrechen zugestanden bekommen. Nach Auffassung des IGH dürften die Opfer der in ihrem eigenen Land begangenen NS-Verbrechen vor den Gerichten ihres Landes nicht gegen Deutschland auf Schadensersatz klagen. In Italien ist dies seit Oktober
2014 wieder möglich.

Die Schadensersatzansprüche der griechischen Opfer könnten aber auch in Griechenland befriedigt werden. Dafür müsste die neue Regierung einer Vollstreckung der gegen Deutschland ergangenen Urteile zustimmen. Sollte Deutschland seine Schulden an die Opfer der NS-Massaker immer noch nicht bezahlen wollen, könnten im deutschen Staatseigentum stehende Immobilien in Griechenland zwangsversteigert und die Ansprüche der Opfer endlich rea- lisiert werden.

Im Gegensatz zu den hier öffentlich erhobenen Prophezeiungen wäre das kein Affront gegen Deutschland, sondern ein Akt für den Frieden und für die Gerechtigkeit heute. Es wäre das Signal an heutige Kriegstreiber, dass Völkerrechtsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit nicht mit schönen Worten erledigt werden können, sondern der Schädiger – so mächtig er inzwischen sein mag – auch finanziell für das angerichtete Unrecht gerade stehen muss, auch noch nach 70 Jahren.

Der AK-Distomo fordert weiterhin:

Sofortige Entschädigung aller griechischen Opfer des Nationalsozialismus!
Nazi-Verbrechen nicht vergeben, den antifaschistischen Widerstand nicht
vergessen!
Gemeinsamer Kampf gegen den wiedererstarkenden Faschismus in Europa!

AK-Distomo

Hamburg, den 5. Februar 2015
Kontakt: Rechtsanwalt Martin Klingner Tel. 040-4396001 oder 040-4396002 oder
0162-1698656

Weitere Informationen:http://ak-distomo.nadir.org/

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Entschädigungsfrage zurück auf der politischen Agenda

Pressemitteilung des AK-Distomo vom 5. Februar 2015

Entschädigungsfrage zurück auf der politischen Agenda
Neue griechische Regierung lässt NS-Opfer hoffen

Kaum war der neue griechische Ministerpräsident Tsipras im Amt, legte dieser bereits den Finger in die Wunde. Deutschland hat bis heute seine Schulden gegenüber Griechenland aus der Zeit der Besatzung von 1941 bis 1944 nicht bezahlt. Die derzeitige Kampagne deutscher Medien gegenüber der neuen griechischen Regierung stellt eine Verdrehung der tatsächlichen Verhältnisse dar. Die Forderungen Griechenlands sind juristisch, politisch und moralisch begründet.

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Griechenland: Brüder, Sonne, Freiheit | ZEIT ONLINE

Brüder, Sonne, Freiheit

Ein Blinder wird Minister, eine Putzfrau bekommt ihre Stelle zurück. Wie Alexis Tsipras seinem Land neue Hoffnung gibt von Khue Pham

Eine Woche nach dem Machtwechsel macht ein Gerücht die Runde in Athen – dass Alexis Tsipras, kaum dass er ins Amt gekommen ist, auch schon umgezogen sei. In ein teures Vorstadtviertel nördlich von Athen, wo immer schon all die anderen Spitzenpolitiker wohnten.

via Griechenland: Brüder, Sonne, Freiheit | ZEIT ONLINE.

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Europa neu begründen! Ein Aufruf

Griechenland nach der Wahl − Keine Gefahr, sondern eine Chance für Europa

Der politische Erdrutsch in Griechenland ist eine Chance nicht nur für dieses krisengeschüttelte Land, sondern auch dafür, die Wirtschafts- und Sozialpolitik der EU grundsätzlich zu überdenken und zu korrigieren.

Wir unterstreichen erneut die von Seiten der Gewerkschaften in den zurückliegenden Jahren vielfach geäußerte Kritik: Die entscheidenden Bedingungen, unter denen die finanziellen Hilfen für Griechenland gewährt werden, hatten von Anfang an nicht die Bezeichnung »Reform« verdient. Die Milliarden, die nach Griechenland geflossen sind, wurden vor allem für die Stabilisierung des Finanzsektors verwendet.

via Europa neu begründen! Ein Aufruf.

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Eurokrise: Griechenland darf auf Hilfe hoffen | ZEIT ONLINE

Griechenland darf auf Hilfe hoffen

Griechenland will laut Finanzminister Varoufakis bis Ende Mai auf inter- nationales Geld verzichten. EU-Kommissionspräsident Juncker plant eine Alternative zur Troika.

Die Regierung in Paris hat der neuen griechischen Regierung Unterstützung bei der Suche nach einer Einigung mit den internationalen Partnern zugesagt. Der französische Finanzminister Michel Sapin sagte bei einem Treffen mit seinem griechischen Amtskollegen Yanis Varoufakis, es sei legitim, dass Griechenland wegen der Schuldenlast besorgt sei und sich um eine Erleichterung bemühe. Frankreich sei bereit, dabei zu helfen, die Schuldenlast der Griechen zu mindern.

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24.01.2015: Putsch der Schattenmänner (neues-deutschland.de)

Von Axel Berger
24.01.2015

Putsch der Schattenmänner

Wie es zur Militärdiktatur in Griechenland kam

In einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung »Die Zeit« beschrieb der Chefökonom von SYRIZA, John Milios, in der vergangenen Woche das griechische Wirtschaftssystem nach wie vor als eine »Oligarchie«, deren Ausmaße »mit europäischen Standards nicht vergleichbar« seien. Die Zahlen geben Milios recht. Nach wie vor besitzen die reichsten 2000 griechischen Familien über 80 Prozent der Vermögenswerte des Landes. Während der Rest der Bevölkerung unter den Diktaten der Troika leidet, konnten sie ihren Besitzstand und Einfluss allen Krisenerscheinungen und Sparauflagen zum Trotz behaupten und teilweise sogar noch ausbauen.

»Für Griechenlands Reiche geht die Party weiter«, titelte sogar der jeglicher Sympathien für Umverteilungen unverdächtige »Focus« vor gut zweieinhalb Jahren. Mit welchen Mitteln diese Privilegien bisher im Zweifelsfall verteidigt wurden, verdeutlicht ein Blick auf den Militärputsch, der das Land vor nunmehr fast einem halben Jahrhundert für immerhin sieben Jahre einem brutalen Folterregime auslieferte.

Dabei standen, als in der Nacht zum 21. April 1967 eine kleine Verschwörergruppe um Oberst Georgios Papadopoulos, Generalleutnant Stylanios Pattakos und General Georgios Ziotakis die Macht an sich riss, weder die staatliche Ordnung noch die Westbindung Griechenlands oder gar der kapitalistische Charakter der Wirtschaftsstrukturen zur Disposition. Seit 1952 war das Land Mitglied der NATO und seit 1961 bestand ein Assoziierungsabkommen mit der EWG.

24.01.2015: Putsch der Schattenmänner (neues-deutschland.de).

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24.01.2015: Matte Hoffnung (Tageszeitung junge Welt)

Matte Hoffnung

Griechenland am Tag vor der Parlamentswahl. Armut und soziale Spaltung kennzeichnen die Lage. Syriza verspricht im Falle eines Wahlsiegs Veränderungen, die KKE erwartet hingegen eine Fortsetzung der Troika-Diktatur
Von Hansgeorg Hermann, Athen

Ob Griechenland und gleich ganz Europa nach einem Wahlsieg von Syriza verändert werden, sei dahingestellt. Die linke Partei jedenfalls führt in den Umfragen (Unterstützer in Athen am 22. Januar)
Foto: Yannis Behrakis/Reuters

Griechenland einen Tag vor der Neuwahl des Parlaments, der »Bouli« mit ihren 300 Abgeordneten: Nach sechs Jahren sogenannter Austeritäts- oder Sparpolitik, maßgeblich von der Bundesregierung und ihrer Kanzlerin Angela Merkel gefordert und in der EU-Kommission durchgesetzt, steht das Land wirtschaftlich und sozial am Abgrund. Das eingesetzte Kontrollgremium »Troika«, bestehend aus Vertretern des EU-Kommissionspräsidiums, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF), bestimmt seit rund sechs Jahren, seit Beginn der sogenannten Finanzkrise also, de facto über das Haushaltsbudget des Landes und damit über dessen Entscheidungen in nahezu allen relevanten Bereichen der Wirtschafts-, Finanz-, Sozial- und Kulturpolitik. Kurz gesagt: Griechenland hat derzeit keine autonome Regierung.

Lesen: 24.01.2015: Matte Hoffnung (Tageszeitung junge Welt).

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