Veranstaltung mit Makis Anagnostou von VioMe

John Malamatinas (Referent u. Übersetzer), Makis (Vio.Me), Manfred Neugroda (Moderation)

Etwa 60 Menschen versammelten sich am 18.10. in der Alten Feuerwache, um Aktuelles über VioMe, die rückeroberte Fabrik in Thessaloniki, aus erster Hand zu erfahren. Neben Köln waren Kiel, Celle und München Stationen der Rundreise von Makis Anagnostou. Über die aktuelle Lage in Griechenland, die Politik der Mitsotakis-Regierung und den Widerstand, z.B. in Exarchia, referierte – ebenfalls aus eigener Erfahrung – John Malamatinas, der zugleich die Übersetzung übernahm.

In seinem Eingangsbeitrag betonte Makis, dass die VioMe-Belegschaft zu keiner Zeit auf eine direkte Unterstützung durch irgendeine Regierung gesetzt, sondern immer ihre Unabhängigkeit bewahrt hat. Zeit gewinnen und Widerstand leisten war stets die Devise. Egal, welche Angriffe kamen und noch kommen werden, es gilt die Vereinbarung, den Betrieb niemals freiwillig zu räumen.

Zu den akuten Bedrohungen gehören immer wieder die Zwangsversteigerungen, die bisher allesamt abgewehrt werden konnten. Die letzte der jetzigen „Saison“ ist für den 24.10. geplant, ein Mindestgebot von 12 Mill. € ist gefordert. Danach wird es neue Runden der Zwangsversteigerung geben, dann mit einem niedrigeren Mindestgebot, so dass die Gefahr für die Belegschaft größer wird. Aber auch das Widerstandspotential wächst, was sich z.B. beim jüngsten Festival der Kooperativen (Coopenair am 11/12/13 Okt.) auf dem Gelände von VioMe gezeigt hat, mit stattlichen 7000 Teilnehmer*innen.

Eine weitere Existenzbedrohung für VioMe ist die Möglichkeit einer Stromabschaltung durch die Staatsmacht. Natürlich würde dagegen Widerstand geleistet werden, jedoch liegt die mögliche Abschaltstelle nicht unmittelbar auf dem Gelände von Vio.Me, was die Situation erschwert. Daher hat die Belegschaft eine internationale Solidaritätskampagne begonnen, um Geld für den Kauf eines Generators zu sammeln. (Noch während der Veranstaltung wurden 405,- € gesammelt.) Auch praktische Hilfe ist gefragt, z.B. die Vermittlung von Beziehungen.

In diesem Jahr hat die Vollversammlung beschlossen, die bisher nur minimal über dem Arbeitslosengeld liegenden Löhne der Belegschaft zu erhöhen. Deshalb ist die Erweiterung des Netzwerks von Verkaufsstellen innerhalb Griechenlands geplant, es besteht aber auch die Hoffnung auf größere Bestellungen durch das internationale Soli-Netzwerk, das sich mit der Zeit erweitert und eine große Hilfe darstellt (z.B. in Berlin gibt es mittlerweile drei Verkaufsstellen). Besonders wichtig ist die Zuverlässigkeit der Zahlungen.

Dank der unermüdlichen und instruktiven Übersetzung durch John Malamatinas war die Verständigung hervorragend, und es konnten im weiteren Verlauf der Veranstaltung viele interessierte Fragen aus dem Publikum gestellt und beantwortet werden.

Dieser Beitrag wurde unter Griechenland abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.