Warum sollen die besetzten Häuser geräumt werden?

Griechenland: Eine große Gentrifizierungsstrategie bedroht die autonom verwalteten Wohnblocks Prosfygika, sagen Isa M. und Korsa S.

Interview: Osa Udushesheri

Isa M. und Korsa S. (Namen geändert) sind Mitglieder des ­Internationalen Komitees der Kampagne »Save ­Prosfygika« zur Verteidigung des besetzten und von Gentrifizierung ­bedrohten Stadtteils in der griechischen Hauptstadt Athen

Die offenbar größte besetzte Nachbarschaft Europas, die Athener Wohnblocks Prosfygika, befinden sich neben einem Krebskrankenhaus zwischen einer Polizeidirektion und dem Obersten Gerichtshof. Die Besetzung dauert mittlerweile 30 Jahre an. Seit 16 Jahren hat sich die »Gemeinschaft des besetzten Prosfygika« gebildet, vor allem um organisierte Kriminalität zu vertreiben. Die Siedlung sollte schon einige Male für Milliardenprojekte weichen, hat sich aber immer wieder gewehrt. Wofür steht der Name Prosfygika, und wer lebt dort?

Isa M.: Der Name bedeutet übersetzt quasi »Ort der Geflüchteten«. In den Dreißigern wurden diese acht Häuserblocks erbaut, um Geflüchteten aus Kleinasien eine Unterkunft zu geben. Sie befindet sich im Arbeiterviertel Ambelokipi. Früher war sie am Stadtrand, heute liegt Prosfygika mitten im Stadtzentrum von Athen. Ob durch Partisanen in Zeiten der Besatzung durch den Hitlerfaschismus, zur Zeit der Militärjunta in den 70ern oder während der neoliberalen Politik ab den 90er Jahren: Prosfygika war immer ein Ort des Widerstands und ist ein historisches Monument. In den 2000ern haben sich auch Drogenhändler angesiedelt. Anarchisten, Kommunisten, arme Leute, Geflüchtete und türkische Revolutionäre haben sich dann dagegen zusammengetan. (…)

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